Baby Blues statt Elternglück

Baby Blues – schon mal davon gehört? Nein? Ich auch nicht. Bis er mich erwischt hat.

Von frisch gebackenen Eltern wird erwartet, dass sie im Babyglück schwimmen und vor allem die Mütter müssen ihre Babys sofort mehr als alles andere auf der Welt lieben. So weit, so gut. Die Theorie war mir klar und ich freute mich ja auch schon knapp 10 Monate lang auf meine kleine Bauchbewohnerin. Da sie ein absolutes Wunschkind war und es auch knapp 1 Jahr gedauert hat, bis ich schwanger wurde, wäre mir nie in den Sinn gekommen, dass ich eventuell nicht sofort Muttergefühle haben werde. Jedoch denke ich, dass die Sache mit dem Baby Blues stark mit den Faktoren vor und auch nach der Geburt zusammen hängt. Ich muss dazu sagen, meine Schwangerschaft war leider nicht so schön und ich habe wirklich die Tage bis zum Geburtstermin gezählt. Die Geburt war dafür umso schöner und unsere Sophie war bereits nach 3 Stunden in meinen Armen. Ich hatte weder körperliche Verletzungen – noch fühlte ich mich psychisch angeschlagen. Dachte ich zumindest. 

Mama mit Baby

Wieso hatte ich den Baby Blues?

Ich kann hier nur für mich und meinen Fall sprechen und muss dazu auch etwas ausholen. Wenn ich nun zurückblicke, wundert es mich nicht mehr, dass auch ich in den Baby Blues gerutscht bin.

Kinderwunsch: Die letzten 2 Jahre wurde ich von so vielen Hormonen und Gefühlen überschüttet, dass mein Körper und mein Geist es irgendwann rauslassen mussten. Wir versuchten – wie oben schon erwähnt – ca. 1 Jahr lang schwanger zu werden. In diesem Jahr standen Themen wie PCO ect. am Tisch und ich wusste nicht, ob ich jemals schwanger werden kann (Details nachzulesen in meinem Beitrag „Kinderwunsch ohne Zyklus„) . Jede Frau die erfolglos über einen längeren Zeitraum versucht schwanger zu werden, weiß genau von welchen Gefühlen und von welcher psychischer Belastung ich hier spreche. Von den Auswirkungen der Jahre langen Pillen-Einnahme will ich erst gar nicht anfangen.

Schwangerschaft: Als ich dann endlich schwanger war, kamen natürlich die Panik und die Ängste. Und diese hatte ich bis zur Entbindung. Zusätzlich hatte ich so gut wie ALLE Schwangerschaftssymptome die man auf Google findet. Hier meine Beiträge dazu:

Wie ihr seht, war auch meine Schwangerschaft nicht so berauschend und wunderschön wie es eventuell bei anderen der Fall ist. Es war natürlich nicht alles schlecht und wir hatten noch tolle Urlaube und auch eine schöne Zeit (2. Trimester), aber die negativen Dinge haben leider meist überwogen. Dann war es endlich so weit und wir konnten es auch kaum noch erwarten – die Geburt.

Die Geburt ging eigentlich sehr rasch. Ich hatte schon ab der 36 ssw. 2-4 mal die Stunde starke Senkwehen. Bei 36+5 waren wir nochmals bei unserer Frauenärztin und sie meinte „Ich möchte dir keine Angst machen, aber dein Muttermund ist schon 3cm offen“. Am Tag darauf habe ich in der Früh meinen Schleimpfropf  –  davor wusste ich auch nicht was genau das ist -> Google – verloren. Ich war dann eine Nacht im Spital aber es hat sich nichts getan also ging ich wieder nachhause. Ein paar Tage später hatte ich sehr viele Senkwehen und noch einen Termin bei der Frauenärztin – zwecks Akupunktur. Als sie mich untersuchte bekam sie große Augen und meinte mein Muttermund sei bei 5-6 cm. Wir haben trotzdem noch akupunktiert und sie meinte, sie könne meine Fruchtblase aufstechen wenn ich möchte. Ich nahm das Angebot allerdings nicht wahr und ging nach Hause. Am Tag darauf fühlte ich mich Zuhause jedoch nicht mehr wohl und wir haben uns mit unserer Hebamme im Goldenen Kreuz, in Wien, getroffen. Mein Muttermund war bei 9cm aber noch keine richtigen Wehen in Sicht. So hat die Hebamme gemeinsam mit uns und meiner Frauenärztin entschieden die Fruchtblase aufzustechen und innerhalb von 3 Stunden war Sophie bei uns. Verletzungen hatte ich keine und die Geburt war für uns wirklich wunderschön. Kein Vergleich zu der Schwangerschaft! Aber ja, auch meine Geburt war nicht ganz 0815, denn die Hebammen hatten selber noch nie einen Fall mit einem komplett offenen Muttermund aber keinerlei Wehen.

Die ersten Tage: Wir haben uns – auf Grund von Corona- für ein Familienzimmer entschieden, da der Papa sonst nur eine Stunde pro Tag hätte kommen dürfen. Zu zweit sollten die ersten Tage doch easy peasy ablaufen. Falsch gedacht! Unsere Sophie hatte von Anfang an sehr viel Hunger und das bisschen Kolostrum hat ihr einfach nicht gereicht. Ich wollte natürlich unbedingt Stillen und habe auch wie verbissen ihr -wortwörtlich- ständig den Busen in den Mund gesteckt. Da aber so gut wie nichts rauskam, war sie stinksauer und schrie die ganze Nacht durch. Bis wir uns entschieden, sie etwas zuzufüttern. Auch zuhause, als die Milch schon einschoss, gab es jedes Mal wenn ich sie in die Nähe von meinem Busen gedreht habe, Schreianfälle. Dieses ganze Stilldrama dauerte in etwa 10 Tage, danach hat es halbwegs gut geklappt. An die psychische Belastung dieser 10 Tage denke ich nur sehr ungerne zurück. Mein Baby hat bei mir, wenn ich es ernähren wollte, schlichtweg nur geschrien. So hat sie mir dann immer der Papa – damals in meinen Augen- weggenommen und sie war wieder ein zufriedenes Baby. Und das war für mich wirklich der Horror. Ich kam zwischendurch des Öfteren an einen Punkt an dem ich einfach nicht mehr konnte und wollte. Und unser Zwerg war aber erst 10 Tage alt. Da kamen dann Zweifel und Sorgen, wie ich es die nächsten Jahre schaffen soll, wenn die ersten 10 Tage schon so schlimm sind. Die Zeit war geprägt von der Überzeugung, dass ich eine schlechte Mama bin und Sophie den Papa lieber hat. Und mit all den Gedanken, Ängsten und Zweifeln die ich hatte, habe ich das wesentliche vergessen -> mein Baby einfach nur zu lieben. Ich drückte dem Papa am absoluten Tiefpunkt unser Baby in die Hand und sagte, dass ich sie nicht mehr will, ging ins Schlafzimmer und habe 2 Stunden durch geheult.

Erst als ich es mir dann eingestanden und laut ausgesprochen habe, dass ich scheinbar eine Schwangerschaftsdepression habe, ging es endlich wieder bergauf. Ich konzentrierte mich danach nur noch auf sie. Und ich hatte, wegen meiner Gedanken, so ein schlechtes Gewissen ihr gegenüber, dass ich sie nur noch glücklich machen wollte. Von Tag zu Tag lernte ich meine Tochter mehr kennen und lieben. Der Papa hat sich etwas zurückgenommen und mir die Zeit mit ihr alleine gegeben.  Auch meine Mama hat öfters explizit nachgefragt wie es MIR geht und zusammen als Familie haben wir es wieder in den Griff bekommen und es blieb – Gott sei Dank- nur bei einem Baby Blues und keiner Depression. 

 

Sollte es euch auch so gehen – habt keine Angst es auszusprechen. Die Mäuse sind grade in den ersten Monaten so hilflos und brauchen ihre Mama, sie können auch nichts dafür, dass es uns eventuell nicht gut geht. Ihr seid keine schrecklichen Mütter nur weil nicht gleich alles auf Anhieb super funktioniert. Sprecht mit eurem Partner oder eurer Familie und sollte es trotzdem nicht besser werden, dann sucht euch professionelle Hilfe. Es ist keine Schande, man fühlt wie man fühlt. Und es können, wie es bei mir auch war, sehr viele Faktoren eine Rolle spielen. Die Zeit mit den Zwergen vergeht viel zu schnell und es ist um jeden Tag schade der nicht glücklich verbracht wird.

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FAQ

Der Baby Blues tritt meist 3-5 Tage nach der Geburt ein und dauert in der Regel nicht länger als 10 Tage.

Die Mütter sind meist sehr erschöpft, traurig und ihnen ist ständig zum weinen. Auch eine Abneigung gegen das Baby kann vorkommen. 

Die Ursache des Baby Blues ist nach derzeitigem Wissensstand die starke Veränderung des Hormonspiegels nach der Geburt. Jedoch können auch mehrere Faktoren wie zB eine komplizierte Schwangerschaft oder eine schwere Geburt für das Wechselbad der Gefühle verantwortlich sein.  

Offen und ehrlich über die Baby Blues-Gefühle sprechen und sich trösten lassen. Man sollte sich mit Menschen, bei denen man sich wohlfühlt umgeben. Einige Experten empfehlen, gerade in den Tagen des Baby Blues besonders viel mit dem Baby zu kuscheln um die Mutter-Kind-Bindung zu verstärken. 

Sollte dieser emotionale Zustand länger andauern oder machen sich Symptome einer Depression, fehlende Bindung zum Kind, dauerhafte Traurigkeit oder Angststörungen bemerkbar, könnte es sich eventuell um eine postnatale Depression (Wochenbettdepression) handeln. Sollte der Verdacht bestehen, sollte man sich seinem Partner, seiner Familie oder Ärzten anvertrauen.

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